Beitragsbild_Dienstleistgsprdkt_Jan2021

Dienstleistungsproduktivität der Post-Corona-Zeit

Noch immer ist kein konkretes Ende für die Zumutungen der Corona-Pandemie erkennbar. Vielmehr stehen uns noch einschneidende Wochen oder Monate bevor, in denen in vielen Unternehmen, nicht zuletzt in der Dienstleistungsbranche, mehr oder weniger alles auf Abruf bereit stillliegt. Täglich wächst der Druck, die entstehenden Verluste abzufedern, aufzufangen, zu kompensieren, das Bestehen des Unternehmens zu sichern. Dazu gehören auch Ideen und Konzepte der Produktivitätsgestaltung für die Post-Corona-Zeit – im Wissen darum, dass der Status quo ante sich nicht mehr einstellen wird.

 

Hierfür greifen indes Maßnahmen zu kurz, die nur auf der rationalen Ebene einer Zahlenschau des In- und Outputs aufgebaut sind, um zukünftige Herausforderungen resilient stemmen zu können. Überdies braucht es Kreativität, die aus verschiedenen Potenzialitäten schöpft und sich mit vernetztem Denken, Offenheit und Ambiguitätstoleranz der Gestaltung von Produktivität nähert.

 

Wirkungskreisläufe

Denn vor allem anderen geht es bei Dienstleistungen um Menschen. Und damit wird es komplex, anspruchsvoll und niemals monoton.

Dienstleistungsprozesse lassen sich nicht linear betrachten, nicht in ein lineares Korsett schnüren. So gilt es nicht nur die Wirkungsketten in den Blick zu nehmen, sondern die komplexen Wirkungskreisläufe im Leistungserstellungsprozess insgesamt zu betrachten und mit einzubeziehen, die sich dann wiederum in den Kennzahlen des Controllings abbilden.

Hierzu zählen die vielen Schnittstellen zwischen autonomer Arbeitsgestaltung und professioneller Interaktion sowie die relationale Ebene der Kunden und Mitarbeitenden als auschlaggebenden Einflussfaktor auf die Dienstleistungsarbeit – und sei es die das digitale Format, mit dem die Kundenbeziehungen entstehen und aufrechterhalten werden.

Diese Heteronomie der Dienstleistung – der Einfluss externer Faktoren, die Koordination, Steuerung und Kontrolle dieser Beziehungen – besitzt überdies die zentrale, oft vernachlässigte Dimension der sinnlichen Wahrnehmung, mit Subjektivität, Emotionen und psychologischen Komponenten insgesamt.

Es sind gleichsam nicht-materielle Faktoren essentiell, um den Anforderungen der Produktivitätssteuerung gerecht zu werden, wie z.B. das Image, die Zahnräder ineinandergreifender Prozesse, Ressourcen der Kunden, Kundenansprache und -verabschiedung, Freundlichkeit (denn auch die vermittelt sich als Wertschätzung direkt oder indirekt – auch über die Außendarstellung in den sozialen Medien).

 

Produktivitätsgestaltung

Diese ästhetischen Bereiche – mit nicht nur monetär bewertbaren Größen, sondern mit z.B. qualitativen Daten der Kunden- und/oder Mitarbeitendenzufriedenheit – können professionell mit relevanten Werkzeugen und Methoden als weitere Kennzahlen für die Produktivität genutzt werden. Denn: Dienstleistungsarbeit weist sich durch autonome, relationale und heteronome Leistungsbestandteile aus, wie die bereits erwähnte Integrativität externer Faktoren.

Von da aus sind sämtliche Maßnahmen der Produktivitätsgestaltung simultan unter den Aspekten der Wirtschaftlichkeit, Zweckdienlichkeit sowie der Sicherheit, Zumutbarkeit und Zufriedenheit aufeinander abzustimmen.

 

In diesem Zusammenhang sei auf den Unterschied zwischen emotionaler und kognitiver Empathie verwiesen, der beim erfolgreichen Modellieren der Produktivität zu beachten ist:

Mit der emotionalen Empathie erkennen wir Emotionen und Gedanken anderer Personen nicht nur, sondern können diese auch nachempfinden; hingegen ist die kognitive Empathie die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und zu spüren, was für diese opportun ist, um sie damit manipulativ zu locken.

(vgl. Dr. Pablo Hagemeyer, Interview bei SinndesLebens24., 15. Oktober 2020)

 

Schließlich endet die Betrachtung der Produktivität an dem Punkt, an dem die Kunden das Ergebnis der von ihnen nachgefragten Dienstleistung erhalten und bezahlt haben – mit einem nachhallenden positiven oder negativen Gefühl aufgrund einer Strategie, die im guten Falle auf einem professionellen, nachhaltigen Veränderungsmanagement beruht.

 

Matthias Franck


NL_III_Foto_Ästhetik_Lexikon

Das Ästhetik-Lexikon bei CONTOR FRANCK

Das Lexikon bei CONTOR FRANCK https://contorfranck.de/aesthetik-abc/ ist neu aufgesetzt. Was dabei sichtbar wird, sind die vielen Lücken im Alphabet, die es noch aufweist, und damit die Aufgabe, der wir uns verschrieben haben.

Ich lade Sie herzlich ein, gerne öfter auf unserer Website vorbei zu schauen und dabei Neuigkeiten – insbesondere neue Definitionen – zu entdecken.

Kein anderes Thema als die „Ästhetik“ stellt mehr Verbindungen und Zusammenhänge her, kein anderes Thema macht Abhängigkeiten und Wechselwirkungen spürbarer, erlebbarer, wahrnehmbarer und lesbarer.

Und so folgen diese Ausführungen sämtlich unserem Verständnis als Denkfabrik und Unternehmensberatung.

 

"Wirtschaftliche Aktivitäten sind untrennbar mit der Schaffung von Werten zum Nutzen für die Gesellschaft und mit dem Wunsch des Einzelnen nach einem produktiven Engagement in der Gesellschaft verbunden." (Clausewitz – Strategie denken. Herausgegeben vom Strategieinstitut der Boston Consulting Group, 2013, Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 5)

 

Die Relevanz von Ästhetik

Die Relevanz des Themas „Ästhetik“ – nicht nur für alle Ebenen und Bereiche von Organisationen und Institutionen – lässt sich unter den nachfolgend aufgeführten Aspekten nicht wegdenken.

Ebenso wenig wegdenken lassen sich die im Laufe der Jahrtausende entwickelten philosophischen Antworten zu ästhetischen Phänomenen in ihrer Gesamtheit – denn Wissen intensiviert ästhetische Wertschätzung.

 

"...Sinne und Sinnlichkeit sind uns in ihrer offenen Rezeptivität fremd geworden...Sodass es uns selbstverständlich, ja rational scheint, den Sinnen zu misstrauen...Nur im Zügel des Verstandes...nur so glauben wir...Welt „wirklich“ sehen zu können..." (Klaus Binder:  „Warum Lukrez lesen und wie“ – aus: Lukrez: „Über die Natur der Dinge“, 2014, Büchergilde Gutenberg, s. 19)

 

Das Ästhetik-Lexikon von Begriffen und ihren Definitionen

Im Lexikon bei CONTOR FRANCK tragen wir nach und nach Begriffe und deren Definitionen zusammen, die als 100+ Orientierungspunkte auf einer Landkarte verteilt sind – für eine Annäherung an die Kartierung der Landschaft von „Ästhetik“ und deren fassbare Terrains:

So lassen sich Zusammenhänge erkennen und/oder herstellen, nach und nach verweben sie sich zu einem komplexen Gesamtbild und in der Anwendung sind sie wesentliche Bestandteile, um Gesamtkonzepte zu erschaffen.

Die Definitionen verstehen wir als Bestimmungen zu unserer Anschauung von Ästhetik und wir begreifen sie als nichts Geringeres als die Bausteine zur Entwicklung und zum Aufbau eines möglichen Systems der Ästhetik – spezifisch bezogen auf Organisationen und Institutionen, zur Beleuchtung, Klarstellung und Abgrenzung und ganz allgemein bezogen auf soziokulturelle Aspekte ... für eine #NeueÄsthetischeDimension.

 

Hier: als zentrale Aspekte für die Narrative selbstbewusster Organisationen und Institutionen und ihrer Resonanz mit Kunden, Kooperationen und Mitarbeitenden.

Zur Orientierung definieren die Begriffe theoretisch eine objektive Realität, um sie subjektiv erkennbar und beschreibbar zu machen und um damit über den Horizont der eigenen Erfahrung hinausgehen – Verbindungen zwischen fremdem und Eigenem sichtbar und lesbar machen.

Sie öffnen und gestalten Denkräume und sind Grundlage für Gedankenexperimente, die auf das Ganze zielen.

Dafür sind sie so eindeutig, so eng und so zirkelfrei wie möglich erfasst und als terminologisches Kondensat absichtsvoll auf der Meta-Ebene angesiedelt, um sie flexibel und damit gewinnbringend in lesbaren Dimensionen, konkreten Fragestellungen und unterschiedlichsten Situationen anzuwenden – und um ein stabiles, tragfähiges Fundament zu legen, auf dem die verschiedensten ästhetischen Konzepte entwickelt werden können.

Die Definitionen entsprechen dem aktuellen Stand unserer Erkenntnisse und werden kontinuierlich angepasst, wenn sich neue Perspektiven eröffnen, die die jeweiligen Begriffe präzisieren und ihrem Kern damit näherkommen.

 

Die Meta-Ebene

Die Meta-Ebene...

  • ...trägt der Anerkennung Rechnung, dass Wirtschaften im Kontext dynamischer Bedingungen geschieht und flexibles Agieren und Reagieren notwendig macht. Denn: Unternehmensgewinne entstehen in der erfolgreichen Auseinandersetzung mit Ungewissheiten und Friktionen, durch Kreativität, Intuition, und im Umgang mit dem Zufall sowie der Berücksichtigung von Wahrscheinlichkeiten.

Denn: „Der Zufall spielt eine zentrale Rolle im Leben. Das ist anzuerkennen“ und

ebenso „auch die Verantwortung für die Differenzspielräume..., die durch unsere persönlichen Entscheidungen innerhalb der Zufallsparameter entstehen.“

(Maria Popova, „Findungen“, 2020, Diogenes Verlag, S. 279)

  • ...lässt Raum für die Produktivität von Gegensätzen und beinhaltet Facetten des Komplexen.
  • ...führt vom Sinnlichen zum Abstrakten und zurück, denn wir benötigen die unterschiedlichsten Erfahrungen aus unserer unmittelbaren Umgebung, um uns in abstrakten Räumen zurecht zu finden.

Aktuell: Durch die stetig wachsende Digitalisierung erweitern sich die uns unmittelbar umgebenden Räume.

  • ...lässt in Abstraktionen etwas finden, was nicht nur scheinbar in Konkretes übertragen werden kann, sondern tatsächlich Verbindungen herstellt.
  • ...abstrahiert von der extremen Volatilität der menschlichen Kognition (den Sinnesempfindungen).

 

Ästhetik ist als menschliche Kondition eine komplexe Wahrnehmung, die die Sinne anspricht und uns die Dinge oder Gegenstände als Objekte und Themen geben, wie sie uns erscheinen und affizieren – und auch das Unsichtbare macht Ästhetik erfassbar.

 

Die Definition des Begriffs „ÄSTHETIK“

Ästhetik ist als menschliche Kondition eine komplexe Wahrnehmung, die die Sinne anspricht. Sie macht das Unsichtbare erfassbar. Das Wahrgenommene wird differenziert eingeordnet, beurteilt und bewertet. Zusammenhänge und Wechselwirkungen werden mittels einer mehrdimensionalen Betrachtung und kreativer Leistung zu einem stimmigen Beziehungsgefüge vernetzt. So buchstabiert können die sinnlichen Wahrnehmungen als Erfahrung und Erkenntnis gelesen werden. Auf diese Weise entfalten sich dynamische Möglichkeiten, die zu Wirklichkeit werden können.

 

Und: weitere Beleuchtungen

  • Ästhetik ist Teil des Menschseins und damit ein grundlegendes Ordnungsprinzip wie die Konzepte Zeit und Raum. Durch sinnliche Wahrnehmung aller Art entsteht Erfahrung – und letztlich Erkenntnis – und darum geht es – und weit über den Begriff „Schönheit“ hinaus.
  • Ästhetik erfasst sämtliche Sinnesempfindungen in Bezug auf Themen und Objekte mit dem Vermögen, diese zueinander in eine Ordnung zu bringen, Möglichkeitshorizonte zu eröffnen und zu einem orientierenden Werturteil zu gelangen – in Bezug auf sich selbst und in Bezug zur näheren und weiteren Umwelt.
  • Ästhetik hat u.a. kulturelle, soziologische, politische und wirtschaftliche Dimensionen.
  • Ästhetik hat a priori einen praktischen Nutzen, einen Sinn, einen Zweck. Sie dient dem Wissensdrang und dem Erkenntnisstreben.
  • Ästhetik verbindet die verschiedenen Facetten der Wirklichkeit.
  • „Der Begriff „Ästhetik“ – das terminologische Kondensat der These, dass das Denken in den „allgemeinen Formen der Sinnlichkeit“ (Humboldt), im „Sinnlichen“ (Schiller), in der „bildlichen Vorstellung“ (Kant) wurzelt – bedarf einer weiteren Präzisierung:

Eine sinnliche Qualität haben nach unserem Verständnis auch die Phänomene des Alltags, die sich nicht auf ein isoliertes, für sich stehendes Wahrnehmungsereignis reduzieren lassen.“

(Daniel Damler, „Rechtsästhetik“, 2016, S. 31)

(...z.B. Ästhetik im Unterschied zu Design – doch das ist ein anderes Thema...)

  • „Als ästhetisches Empfinden bezeichnen wir unsere Kompetenz die Dinge der unterschiedlichsten Bereiche des Lebens in ihrer Verhältnismäßigkeit zueinander wahrzunehmen und darin Ordnung oder Unordnung zu empfinden“ bzw. „die Fähigkeit, alle Wahrnehmungen zueinander in Beziehung zu bringen.“

(Ulrich Halstenbach, „Frei im Kopf“, 2012, S. 22/23)

  • „Alles hängt auf natürliche Weise zusammen und ist miteinander verbunden.“

(Ada Lovelace, 1845)

 

Theorie und die Praxis

Das ist weder rein theoretisch, noch abstrakt, noch ohne jeden Praxisbezug. Vielmehr wird ganz grundlegend sämtliches Denken und Handeln erfasst, benannt, bestimmt und entwickelt.

So führt die abstrakte Theorie hin zur mehrdeutigen Wirklichkeit und in der Praxis lassen sich mit den ästhetischen Begriffen Konzepte inhaltlich gestalten.

Im besten Sinne weitet Ästhetik den Betrachtungshorizont und geht über die rationale Erfassung der Welt hinaus. Sie ist fundamental für die individuelle und kollektive Welterzeugung, die Welterschließung und das Weltverstehen – im Dreiklang: Wahrnehmen-Denken-Erkennen – als Ordnungsrahmen für Komplexität, mit Impulsen für Lösungen und neuen Perspektiven sowie auch in der Kontinuität historischer Bezüge, wobei das Substrat dann mehr ist als die Summe seiner Teile.

Im Thema „Ästhetik“ wird deutlich, dass die physischen und die psychischen Erscheinungen der Wirklichkeit theoretisch und praktisch einheitlich zu betrachten sind.

Dabei mag die Theorie als System mit Begriffen und Definitionen in Teilen unvollendet sein; sie wird jedoch in ihrer praktischen Anwendung ganz konkrete Erfahrungen und Gewissheiten hervorbringen und neue Schlüsse induzieren, die wiederum zur Vervollständigung der Theorie in ihrer Allgemeingültigkeit führen.

Das Wahrgenommene wird differenziert eingeordnet, beurteilt und bewertet. Zusammenhänge und Wechselwirkungen werden mittels einer mehrdimensionalen Betrachtung und kreativer Leistung zu einem stimmigen Beziehungsgefüge vernetzt.

Darüber hinaus meint stimmig nicht „schön“ oder „angenehm“, sondern das Empfinden einer Ordnung, indem die verschiedenen Wahrnehmungen zueinander ins Verhältnis gebracht werden – und dabei auch Unstimmigkeiten in diesen Zusammenhängen erkannt und benannt werden können.

 

Sprache und die sinnlichen Wahrnehmungen

Sinnliche Wahrnehmungen werden mit Sprache buchstabiert und artikuliert und können somit als Erfahrung und Erkenntnis gelesen werden. Das erlangte Wissen wird kommuniziert, gezeigt, dargestellt und angeboten, es wird sich darüber ausgetauscht und verständigt, oder es steht zur Diskussion oder gar zur Disposition.

 

Und: Im Prinzip verläuft dabei im Bruchteil von Sekunden die menschheitsgeschichtliche Entwicklung von Bildern zur Schrift (zur Sprache) ab.

 

Neue Räume des Wirtschaftens und Ästhetik

Unverkennbar und nicht mehr zu verhindern stehen wir am Beginn einer neuen Zeit des Wirtschaftens – auch wenn Gegenkräfte all ihre Macht mobilisieren, um den Status quo aufrecht zu erhalten.

Wie sich dieses neue Zeitalter ausgestaltet ist noch nicht erkennbar. Doch eines steht schon jetzt fest: Wirtschaftliche Stabilität benötigt zukünftig eine veränderte Verteilung von Ressourcen mit einem geweiteten Blick und mit der Einbindung von Moral, Ethik und Verantwortung –  weg vom ausschließlichen Fokus auf die eigenen Absichten und Ziele für fragmentarische Zielgruppen, hin zu einem komplexeren Verständnis für die Kontexte des Wirtschaftens, Geschäftsfelder, Tätigkeiten, Abhängigkeiten, Arbeitsteilung, Arbeitserfüllung, Kontrolle, Produktivität u.v.a.m.

„...Wenn es mit der Gegenwart nicht weitergeht, kommt die Zukunft aus der Vergangenheit...“  lautet die weise Antwort eines Tankstellenwarts auf eine an ihn gerichtete Frage in der französischen Komödie „Zu Ende ist alles erst am Schluss“ (Originaltitel: „Les Souvenirs“). So kommen Antworten dann für einige aus einer rechts-nationalistisch gefühlten Zeit mit einer kaum endenden Negativliste, für andere lassen sich universelle Antworten für die Zukunftsgestaltung im Zeitalter der Aufklärung finden.

Aber für alle Möglichkeiten gilt:

„Damit die Vorstellungskraft die Grenzen des Vertrauten hinter sich lassen kann, ...um sich eine neue Ordnung ...vorzustellen, in der das Gewonnene die undienliche Bequemlichkeit das Verlorene verblassen lässt...“

(Maria Popova, „Findungen“, 2020, Diogenes Verlag, S. 313)

 

Und abschließend mit I. Kant:

„...Die Welt ist das Substrat, ...der Schauplatz...und der Boden, auf dem unsere Erkenntnisse erworben und angewendet werden...“

(„Physische Erdbeschreibung“ – „Die physische Geographie“, Philos.-histor. Verlag Dr. R. Salinger; Leipzig 1877, Erich Koschny, L. Heimann‘s Verlag, S. 9)

 

Matthias Franck


CF_Bilderrahmen_hci_Gastbeitrag JOurnalbeitragsbild

Bilderrahmen und ihre ästhetische Funktion und Wirkung

In einem Gastbeitrag in den „news“ von www.harryclarkinterior.com umreißt Matthias Franck die ästhetischen Aspekte sowie die unterschiedlichen Dimensionen von Bilderrahmen insbesondere in Bezug als kulturelles Gestaltungselement im Interior Design. Um Wissen wachsen zu lassen, spielen u.a. das Bewusstsein für erforderliche handwerklichen Fertigkeiten und die Wahrnehmung von Moden und deren zeitliche Bezüge eine zentrale Rolle – denn Wissen intensiviert die ästhetische Wertschätzung...https://www.harryclarkinterior.com/bilderrahmen-und-ihre-aesthetische-funktion-und-wirkung/


Contor-Franck-Der-emotionale-Mehrwert-in-Zeiten-des-Umbruchs Fliesen teils glänzend teils kaputt

#NeueÄsthetischeDimension – Der emotionale Mehrwert in Zeiten des Umbruchs

Die Veränderungspakete

Es ist mittlerweile eine hinlänglich bekannte Plattitüde, dass sich Unternehmen und Institutionen in immer größerem Wettbewerb befinden – lokal wie global, analog wie digital. Hinzu kommen durch die Covid-19-Pandemie sich verstärkende gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Umbrüche und Umwälzungen, deren Richtung und Ausgang nicht abzusehen sind.

Bisweilen scheint es jedoch, dass das Paket an Veränderungen noch nicht bei allen und bei einigen nur in Teilen angekommen ist.

Angefangen bei der Möglichkeit von „Nur Barzahlung“ (Digitalisierung) bis hin zur offensichtlich vernachlässigten Außendarstellung (Ästhetik) – letztere offenbart sich dann durch Vernachlässigung in Beliebigkeit oder im Verharren in einer vergangenen Zeit.

Es mangelt beispielsweise einem milliardenschweren Startup mit überzeugendem IT-Produkt und viel Erfolg seinen Stolz mittels einer unverkennbaren und scharfen Ästhetik in die Welt zu tragen. So werden auf Messen Vlies-Taschen mit Weißblautönen verteilt, deren Aufteilung und Proportionen erkennbar schon von einer weltbekannten Hilfsorganisation aus Kalkutta besetzt sind oder unverwechselbare Reminiszenzen der Flagge eines beliebten Urlaubslandes wachruft, das sich aus seiner finanziellen Schieflage nur allmählich wiederaufrichtet. Beides doch eher unpassende und verfehlende Assoziationen.

Gut möglich, dass diese gebremsten Leidenschaften unter dem Begriff „Hoffnungskrise“ zu subsumieren sind.

Die Wirtschaft, der Markt – emotionale Systeme

In diesen Zusammenhang passt das Thema, das das zukunftsInstitut in einem seiner Newsletter benennt:

„Wirtschaft ist von Menschen gemacht, sie ist also ein durch und durch emotionales System.“

Wie lange wurde diese Tatsache in der Schublade versteckt und ihre Existenz geleugnet.

Denn rational, wie dies immer wieder gern behauptet und bewertet wird, war die Wirtschaft, waren die einzelnen Unternehmen noch nie. Angefangen zum Beispiel beim Psychogramm eines Unternehmensführers, das die strukturellen Details, die jeweilige Kultur und das Selbstverständnis der Mitarbeitenden prägt.

Alpha-Männchen-Verhalten auf den unterschiedlichsten Management-Ebenen sind ein offenbarendes Beispiel. Die Notwendigkeit einer gesetzlich vorgeschriebenen Frauenquote für die Vorstandsetagen ist ein weiteres entlarvendes Indiz dafür, wie wenig rational „die Wirtschaft“ tickt, und subtilere Dynamiken innerhalb von Organisationen lassen sich erst durch genaues Hinschauen und Analysieren identifizieren.

„Wir stehen der Welt nicht bloß erkennend, sondern auch wertend gegenüber, nicht gleichgültig, sondern interessiert.“ (Moritz Schlick)

Und nun: In einer Gesellschaft, die sich durch Transformation und wachsende Diversität auszeichnet, steigt der Anspruch an die ästhetische Wahrnehmung als Vergleichs- und Differenzierungsgröße.

Aktuell sind die ersten Vorboten von tiefgreifenden Veränderungen zu erkennen.

Mit „New Work“ als Konzept beispielsweise – mit Grundlagen aus den 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts – werden bestehende Arbeitsprozesse hinterfragt, vorhandene Strukturen grundlegend verändert, neue Arbeitsweisen gefordert.  (New Work: Frithjof Bergmann, Marcus Väth). Und auch althergebrachte und über Jahrhunderte bewährte, im neoliberalen System fast untergegangene Leitbilder erfahren mittlerweile eine Renaissance. Immer häufiger wird zum Beispiel wieder das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns aufgerufen, das seit dem 14. Jahrhundert ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein gegenüber Geschäftspartnern, Mitarbeitenden und der Gesellschaft insgesamt einfordert. In Zeiten von sich überschlagenden Purpose-Konzepten ein nicht zu unterschätzender Vergleichswert (Benchmarking).

Die Werteorientierungen verschieben sich

Wir finden uns derzeit an einem Punkt, an dem das gesamte Wirtschaftssystem in Frage gestellt wird: sei es in protektionistischer Ausprägung oder in neo- bzw. ordoliberaler Hinsicht.

Das Bewusstsein und die Sensibilisierung der Menschen für Klimaveränderungen und Arbeitsbedingungen treiben die Umwälzungen immer stärker voran.

In toto verschiebt sich derzeit die gesamte Werteorientierung.

In diesen Zeiten wird ein ästhetisches Erscheinungsbild, das die Persönlichkeit und das Image eines Unternehmens, einer Institution wiederspiegelt, zum non-verbalen Entscheidungsfaktor – ob gewollt oder nicht. Es gibt indessen keinen Automatismus, dass die Ästhetik mit diesem Wandel anspruchsvoller wird und der Komplexität ihrer Wirkung gerecht wird.

„Wenn deine Identität nach demselben Modell zusammengebaut ist wie alle anderen (oder fast alle anderen), siehst du keine Notwendigkeit, sie einer rationalen Prüfung zu unterziehen...und sich in ein bestimmtes Netz von Normen einfügt. So fixieren sich...nach und nach Objekte, bis daraus die mehr oder weniger definierten ... Subjekte entstehen...“. (Luis Allegre)

Als Katalysator für die oben genannten Entwicklungen, kann zusätzlich die Entmenschlichung der Arbeit aufgrund der Dominanz der Controlling-Abteilungen aufgezählt werden, die sämtliche Ebenen und Bereiche einer ökonomischen Analyse unterwerfen. Die Objektivität dieser Analyse ist dabei nie möglich.

So wurde auch die Ästhetik als belastender Kostenfaktor identifiziert und sukzessive abgebaut, aus der Wertschöpfungskette verbannt.

Sie erlitt das gleiche Schicksal wie viele HR-Bereiche aufgrund der Un-Berechenbarkeit ihrer kurzfristigen Wirkung. Was nicht zu berechnen ist, hat keinen Wert, obwohl das Controlling Zahlen nur ex post liefert. Ein weiterer Schwachpunkt für eine in die Zukunft gerichtete Steuerung, aber vor allem ein fehlender Exzellenz-Punkt für gute Führung, Leadership.

Die Ästhetik fristet ein hintangestelltes Schattendasein, wird zur Behandlung ausgelagert, restriktiv kostenmäßig eingehegt und findet sich von den betrieblichen Strukturen abgekoppelt. Die Außendarstellung soll halt irgendwie günstig und „schön“ ausfallen – vor allem entsprechend dem angesagten Zeitgeschmack.

Und das obwohl die visuelle Umsetzung im Corporate Design die Identität, den Charakter und, wie oben bereits erwähnt, die Werte eines Unternehmens transportiert und diese auf eine #NeueÄsthetischeDimension hebt.

Wird Ästhetik nur als Vorwand missbraucht, um nach außen hin attraktiv zu wirken, ist sie nichts weiter als ein Potemkinsches Dorf, in dem nach kurzer Zeit, die Fassaden einstürzen – mit unbezifferbarem Schaden.

Die wachsende Relevanz von Ästhetik

Gleichwohl ist eine wachsende Relevanz von Ästhetik in der Wirtschaft zu beobachten. Allein die Bereitschaft, sich auf dieses Thema einzulassen hat erkennbar zugenommen, zusammen mit sich verändernden Führungsverständnissen und der Frage nach einer übergeordneten Bedeutung.

Beiträge zu ästhetischen Themen schaffen es mittlerweile auch in die Tagespresse.

Nicht zuletzt nimmt der philosophische Diskurs dazu immer mehr an Fahrt auf und wird nach und nach in einen breiten gesellschaftlichen Diskurs münden. So ist eine illustrierte Ausgabe von Alexander G. Baumgartens „Ästhetik“ angekündigt und Sagmeister und Walsh reüssieren mit ihrer Ausstellung „Schönheit“ in Wien und Hamburg – obgleich sich über den dort kurartierten Schönheitsbegriff trefflich streiten ließe.

Nichtsdestotrotz: Ästhetik entfaltet ihre ganze Wirkung erst gewinnbringend, wenn sie frühzeitig in die Wertschöpfungskette eingebunden wird. Auf diese Weise kommuniziert sie eine anspruchsvolle Haltung nach innen wie nach außen. Sie schafft Ordnung und Identifikation, durch die Erkenntnisse, die sie durch die erforderliche Selbstreflektion generiert.

Eine Ästhetik verändert und entwickelt sich (ob gewollt oder nicht) und transportiert ein Image (ob gewollt oder nicht), denn jedes Unternehmen, jede Institution ist ein organisches, lebendiges Konstrukt, dessen ästhetischer Ausdruck zu einem willentlichen Gestaltungsprozess führen kann, nein: muss!

Mit dem Verständnis, dass Unternehmen und Institutionen emotionale Konstrukte sind, lassen sie sich gleichermaßen als Individuen mit eigenen ästhetischen Attributen betrachten.

Wenn die Grundlagen bearbeitet sind, indem eine belastbare Analyse der betrieblichen Abläufe und Prozesse vorliegt – strukturiert und kohärent – Kultur, Inhalte, Positionierung und Ziele klar definiert sind, kann das Thema „Ästhetik“ identitätsstiftend gestaltet werden mit dem Ergebnis eines (immateriellen) Wertes.

Wie für alle Managementfelder gilt auch hier, dass „das Zeitalter der Kreativökonomie angebrochen“ ist „– und es gilt Abschied zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft“(zukunftsInstitut: Megatrend New Work) – wenn diese Leistungsgesellschaft denn je rational gewesen ist!?

Purpose ist the new driving force of the economy – (Aaron Hurst / Psychology Today)

Allerdings hat es den Anschein, dass „Kreativität“ vielfach lediglich zum Werkzeug der Profitmaximierung verkommt und in ein eng gefasstes, konformes Korsett geschnürt wird mit vermeintlich relevantem Stellenwert für die „purpose economy“.

Indes: Entscheidend und unbestritten für den Erfolg eines Unternehmens ist ein höherer Sinn, der über die Profitmaximierung hinausgeht und der für loyale Mitarbeiter sorgt.

„...nur wenn wir den Sinn eines Unternehmens kennen und er uns bei der Arbeit bewusst ist, haben wir das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein und unsere Zeit in etwas zu investieren, für das es sich lohnt zu streiten, zu kämpfen, sich anzustrengen.“ (zukunftsInstitut: Rezension: „Der Sinn des Unternehmens“ von Dominic Veken)

Hier entwickelt sich ein neuer Kern in der Unternehmensführung: die emotionale Bindung der stake- und shareholder durch das Gestalten höherer Motivationen und größerer Identifikation für eine #NeueÄsthetischeDimension als integraler Bestandteil unternehmerischer Aktivitäten.

Der „purpose“, „Sinn“ der Arbeit umfasst mehrere Ebenen für Unternehmen wie für Institutionen und ist eher mit dem Begriff „Bedeutung“ zu belegen.

Der verfolgte Zweck und das Ziel sowie deren Art und Weise, die Arbeitsbedingungen, die Kultur, die Orientierung am Gemeinwohl, die Stellung im Wettbewerb, wirken unmittelbar auf die extrinsische und im Besonderen auf die intrinsische Motivation ein.

Folglich steigen die Ansprüche an Arbeit, an Arbeitsformen, Arbeitsverhältnissen und -weisen, die aufgrund der globalen und sozialen Vernetzungen immer intensiver eingefordert werden und mit ihnen echte und faire Möglichkeiten mit Verantwortung für das Glück des Einzelnen wie für die Gesellschaft insgesamt.

Arbeit muss eine Bedeutung haben, die die unternehmerischen Motive mit den persönlichen und den gesellschaftlichen weitestgehend in Einklang bringt, eine erfahrbare Wirkung, individuelles Wachstum, positive Herausforderungen und Gestaltungsspielräume beinhalten, zwischenmenschliche Beziehungen fördern und die Herausbildung co-kreativer Gemeinschaften ermöglichen.

Unternehmen und Institutionen müssen sich mit der Suche nach ihrer Bedeutung und ihrem Sinn auseinandersetzen. Dabei befinden sie sich in einem Geflecht, dessen Komplexität mittels Ästhetik intuitiv vermittelt wird und damit den entscheidenden Unterschied markiert: für Mitarbeitende, Kunden, Geschäftspartner.

„Kunde ist jeder, der dazu beiträgt, dass wir wiederholt eine Leistung erbringen können."(Götz W. Werner)

Zukunftsorientiertes Leadership integriert den kreativen Ansatz ästhetischer Gestaltung und implementiert diesen Prozess als Schlüssel für erfolgreiche Kommunikation nach außen wie nach innen. Im Ergebnis erhöht sich die Attraktivität, wahrnehmbar in der jeweiligen Markierung im Corporate Design, in der Corporate Identity, im Employer Branding.

Die Komplexität einer unternehmensspezifischen Ästhetik

Die Auseinandersetzung mit Ästhetik erfordert einen Weit- und 360°-Blick mit 4-dimensionaler Sichtweise auf das Arbeitsumfeld und darüber hinaus. Als Sinneswahrnehmung ist ihr immanent, dass sie mehrdimensional ist (zum Beispiel auch den Bereich der Führungspsychologie verknüpft) und die vagen Anteile unseres Denkens integrieren und damit Intuitionen leiten kann.

Erarbeitet wird die Ästhetik für das jeweilige Unternehmen, für die jeweilige Institution durch die Betrachtung der Strukturen und Prozesse aus der Distanz, von außen, in Perspektivwechseln mit kreativem Gegenwind für den Status quo.

Die Komplexität an Herausforderungen vergrößert sich mit der Digitalisierung Chancen und Möglichkeiten, die die Zukunft 4.0 mithilfe von 5G bietet.

Dabei kann Ästhetik – im Change-Management mitberücksichtigt – positive Energien freisetzen.

Sie stellt aus den oben angerissenen Themenkomplexen einen größeren, intuitiv erfahrbaren Zusammenhang her und baut einen Orientierungsrahmen.

Im Ergebnis verleiht sie einer komplexen Idee oder Vision Ausdruck und Identität, integriert Ambivalenzen, Unwägbarkeiten und Friktionen und schafft dadurch Orientierung und Perspektive.

Die ergebnisorientierte Beschäftigung mit Ästhetik erzeugt Freude, denn das Resultat ist immer um eine Dimension höher als zuvor durch die auf dem Weg dahin gewonnen Erkenntnisse.

Sinnliche Wahrnehmungen, Gefühle, Ideen, Stimmungen, Wechselwirkungen und komplexe Zusammenhänge werden buchstabiert und können dann als Erfahrung und Erkenntnis gelesen werden. (nach Johann Karl Friedrich Rosenkranz)

Daraus entsteht ein ganz spezifisches Narrativ – für die Positionierung, für das Ziel, für die Bedeutung – das intuitiv erfassbar als #NeueÄsthetischeDimension wahrgenommen werden kann.

Schließlich: Ästhetik gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht das Unsichtbare erfassbar. (nach Paul Klee)

 

Matthias Franck

 


bewölkter dunkler Himmel in Corona-Krise

Die Covid-19-Krise – Eine ästhetische Herausforderung

Krisenzeiten und Wahrnehmung

In ganz unterschiedlichen Bereichen kommt die Welt erschüttert auf unbestimmte Zeit zum Stillstand. Die Sicht darauf hängt entscheidend von der individuellen Lebens- und Arbeitssituation ab und von der unmittelbaren gesundheitlichen oder ökonomischen Bedrohung. Es ist damit nicht zuletzt ein ästhetisches Phänomen, das auf reflektierender Urteilskraft gründet.

In Krisenzeiten werden ästhetisches Empfinden und Wahrnehmen permanent gefordert: Informationen, Lebenseinschränkungen, Vorsichtsmaßnahmen, beruflicher Stillstand sind kritisch zu hinterfragen. Sie müssen subjektiv und kreativ bewertet und damit in ein stimmiges Beziehungsgefüge gebracht werden, um sie dann als Erfahrung und Erkenntnis verarbeiten zu können.

Auf fast täglicher Basis sind wir gezwungen, Wahrnehmungen, Verhalten und Meinungen zu prüfen und zu hinterfragen, um uns die Wirklichkeit aneignen zu können.

„Krisenzeiten schärfen die Wahrnehmung“ (Stefan Willer), benötigen aber auch Leitplanken zur Orientierung.

 

Alltag und Ordnung

Die Zukunft erscheint ungewisser denn je, die Komplexität hat sich durch die Krise noch potenziert. Vieles erscheint ganz besonders mit Blick auf die Folgen aus den Angeln gehoben.

Raum und Zeit werden geschärft und anders wahrgenommen. Eine neue Ordnung unserer alltäglichen Abläufe muss er-funden werden – wiederum ein zutiefst ästhetisches Unterfangen.

Erinnernd erscheinen die Momente im Café, wie Klammern um eine vergangene Alltagsordnung. Diese kurzen Auszeiten bescherten in ihrer Regelmäßigkeit das Gefühl, souverän über Zeit und Tag zu sein.

Die von Vielen als positiver Nebeneffekt empfundene Langsamkeit und Zeit-zu-Hause ist eine durch

und durch privilegierte, bourgeoise Interpretation der Realität. Sie kollidiert mit vielen heterogenen Realitäten, die sich in grundsätzlich anderen Voraussetzungen und Bedingungen begreifen.

Es braucht augenblicklich neue Klammern, die positive Momente gestalten und fassen. Bis wann sich wieder neue Gewohnheiten einstellen können, ist kaum absehbar, bringt doch erst eine wirksame Medikation ein definitives Ende der Krise und ihrer Zumutungen in Sicht.

Die lokale, nationale und globale Wirtschaft ist vor ungeahnte Herausforderungen gestellt. Kein Unternehmen war auf diese Ereignisse vorbereitet. Keine Strategie hat die unvorhersehbaren Auswirkungen abgebildet. Dem Austausch von Expertisen und dem Wissenstransfer kommt mehr und mehr Bedeutung zu, um sich durch das Unbestimmte zu navigieren.

Und es stellt sich die grundsätzliche Frage:

An welchen Kriterien richte ich für die Zukunft meines Unternehmens steuernde Maßnahmen aus? Ziehe ich den größeren, gesellschaftlichen Rahmen verantwortlich mit ein oder agiere ich davon völlig unabhängig und lediglich mit subjektiver Gewichtung?

 

Zukunft und Solidarität

Ein Grundprinzip des Zusammenlebens zeichnet sich immer deutlicher vor dem Krisenhintergrund ab: Solidarität – in kleinstem, privatem Umfeld, bis hin zu global agierenden Unternehmen. Denn die globalisierte Wirtschafts-Welt ist unumkehrbar vernetzt, die wirtschaftlichen Verflechtungen groß, die gegenseitigen Abhängigkeiten – bedingt durch die Internationalität in Arbeitsteilung, Verkehr und Kommunikation – differenziert und feingliedrig. Gleichwohl gibt es schon erste Ansätze zum umsteuern.

Mithin tritt immer mehr zutage, dass es „die Wirtschaft“ nicht gibt, denn sie wird zu 100 % von Menschen gemacht.

Margret Thatchers Leitspruch “there’s no such thing as society, only individuals” war noch nie so radikal von der Wirklichkeit überholt, wie in diesen Zeiten.

Solidarität ist mehr und mehr gefragt und weist dabei mehr und mehr auf eine Lösung im Umgang mit der Klimakrise hin. Systemische und mehrdimensionale Konzepte über alle Grenzen hinweg sind gefordert, um überhaupt noch eine Zukunft gestalten zu können.

Noch ist nicht absehbar, inwieweit die Gesellschaft, die Politik und die Wirtschaft sich durch diese Krise verändern werden. Täglich werden neue Szenarien entworfen, die aus dem Verständnis von heute oder mittels Regnose die Welt von morgen prognostizieren und einordnen. Das ist – selbst im Falle einer validen Datenbasis – mehr oder weniger Lesen in der Glaskugel. Aber dennoch ist es eher mehr als weniger, der Versuch, eine Orientierung in der Un-Ordnung zu schaffen. Neue Wege im Zusammenleben und -arbeiten werden aus der Not heraus ausprobiert. Was wird davon bestehen bleiben?

 

Selbst- und Weltverständnis

Ist das oberflächliche Revival der 80er Jahre in Mode und Mobiliar eine Vorwegnahme dieser Krise? Die Rückbesinnung auf eine vermeintlich sicherere, stabilere Zeit, mit vermeintlich einfachen Lösungen? Eine Zeit, mit einer positiven Zukunftsgewissheit? Sie ist sicherlich eine Zeit, in der die ästhetischen Nenner noch relativ einheitlich funktionierten.

Im Kontext der Krise als chaotische Situation, liegt es beim Einzelnen, für sich selbst eine eigene Ordnung zu schaffen. Dieser Abwehrmechanismus und Kompensation ist Überlebensstrategie und kann zu einem Auseinanderfallen der Gesellschaft führen. Daher hängt unsere Zukunft auch um so mehr von Einzelnen ab und wie sie sich in ihrem Weltbezug verorten.

Was in Krisenzeiten wie diesen mit den weitreichenden Einschränkungen deutlich zur jeweiligen Verortung erkennbar wird: Im Guten, Schönen und in der Kultur erschafft sich der Mensch seine Wirklichkeit und gibt sich in dieser Freiheit zu erkennen. Hierfür braucht es Mut und Kreativität.

In seinem Selbst- und Weltverhältnis bedarf der Mensch Orientierung und Normen. Beides definiert ihn als gesellschaftliches Individuum.

„Mit dem Guten und Schönen sind zwei markante Bereiche menschlicher Normativität bezeichnet, die eine bedeutende Rolle für das humane Selbst- und Weltverständnis spielen.“ (Birgit Recki)

Denn Kultur erfüllt in jeder Zeit ihre je eigene Funktion und ist nicht nur in reichen Zeiten ein unabdingbarer Teil menschlichen Lebens. Der Wert von Kultur unterwirft sich nicht marktradikalen Bemessungen, politischen Weltvorstellungen oder selbstzentrierten Geschmacksurteilen.

Letztere erheben den Anspruch auf Anerkennung und Allgemeingültigkeit. Damit negieren sie die Diversität in der Gesellschaft, indem sie sie trivialisieren und verschieben vorhandene Hierarchien. Dabei verdrängen sie deren Existenz, wiewohl sie immer da sind und immer da sein werden, in welcher Ausprägung auch immer.

 

Wissen und Ignoranz

Eine Erscheinung, die diese Krise in ihren Zumutungen noch steigert, ist die schon seit Jahren sich verstärkende gesellschaftliche wie politische Tendenz zur Arroganz: Meine Ignoranz ist genauso gut und soviel wert, wie dein Wissen oder dein Können. (Isaac Asimov)

Wenn es keine eindeutigen Qualitätsunterschiede gibt, dann gilt Ahnungslosigkeit und Verblendung so viel wie Fähigkeiten und Kompetenzen.

Hinzu kommt, dass dieser gefährliche Kult insbesondere in der Politik seine unsäglichen Blüten treibt und ihn bislang keine negativen Sanktionen aufhalten.

Ambiguitäts- und Frustrationstoleranz sind fast an ihrem Nullpunkt angelangt – wiederum durch die Globalisierung befördert, mit unmittelbarem Erreichbarkeits-, Verfügbarkeits- und Machbarkeitsversprechen.

Diese Entwicklung hat zu immer weiter sinkenden Ansprüchen an ästhetische Konzepte befördert, Sinnlichkeit, die Mehrdeutigkeit und Möglichkeiten impliziert, immer weiter verdrängt und auch in Bezug auf Schönheit ihre Spuren hinterlassen: Schönheit hat „als Kriterium ausgedient. Dies wird hingenommen, weil Schönheit etwas Ambiges ist, weil sie zwar von vielen, aber eben nicht von allen Menschen erfühlt wird. Objektive Kriterien für Schönheit sind schwer anzugeben. Also wird Schönheit und damit auch ihr utopisches Potential abgetan. Eine Sehnsucht nach einer schöneren Welt ist aber auch eine Sehnsucht nach einer menschlicheren, sozialeren, vielfältigeren, beschaulicheren Welt. Diese Utopie der Schönheit ist jedoch anscheinend tot.“ (Thomas Bauer)

 

Orientierung und Sublimation

Feststeht: Die Covid-19-Krise bringt alle an ihre Grenzen, ohne Ansehen des Geschlechts, des Status, der Position oder Funktion. Sie stellt die Systemfrage und eröffnet für die Zeit danach die Chance, den Gesellschaftsvertrag neu zu verhandeln – grundsätzlicher, als wir es in der Vergangenheit für möglich und notwendig erachteten – auch im Hinblick auf ästhetische Konzepte.

Was es jetzt für diese ästhetische Herausforderung braucht, ist ein kühler Kopf, Vernunft über Emotion und vor allem viel Empathie – für Andere, aber auch für sich selbst, um mit dem unabsehbaren Ausnahmezustand zurecht zu kommen und nicht von einem Taumel erfasst zu werden und dabei die Orientierung zu verlieren. Die Sublimation durch eine ästhetische Haltung trägt dazu bei, Souveränität zu erhalten oder sie zurück zu gewinnen.

Kein Leitspruch ist passender für eine aus den Angeln gehobene Ordnung und eine ästhetische Orientierung, als der von Immanuel Kant für die Aufklärung in 1784 formulierte:

„Sapere Aude – Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen.“

 


vernetztes Denken für ein ästhetisches Konzept

DAS ERFORDERNIS VON VERNETZTEM DENKEN FÜR DIE GESTALTUNG EINES ÄSTHETISCHEN KONZEPTS

Die Gestaltung eines ästhetischen Gesamtkonzepts gelingt mit der Methode des vernetzten Denkens – ja, sie ist dafür eine unabdingbare Voraussetzung!

Denn es geht nicht nur darum etwas „schön“ zu machen. Vielmehr geht es darum ein stimmiges Erscheinungsbild zu erzeugen und hierfür die wesentlichen Zusammenhänge, Elemente, Komponenten und Merkmale zu erkennen und zu verstehen. Das Fundament bildet der Aufbau von klaren betrieblichen Strukturen und Prozessen – und ist damit eine wesentliche Dimension im Beziehungsgefüge der ästhetischen Entwicklung.

Nach sorgfältiger Analyse sind die wesentlichen Aspekte, Dynamiken und Wechselwirkungen erkennbar oder zumindest beobachtbar, mögliche Potenziale zeichnen sich in Umrissen ab.

Im nächsten Schritt werden mittels weiterer kreativer Methoden, Ideen und Maßnahmen entwickelt. Diese werden für die Umsetzung, Implementierung oder etwaige Skalierung schließlich konkretisiert.

Die dann erfolgende Realisierung ist flexibel zu gestalten, um zukünftige Friktionen einzupreisen und eine Weiterentwicklung auf lange Sicht zu gewährleisten.

Denn komplexe Herausforderungen benötigen die Erkenntnis über die Wirkzusammenhänge, die mittels vernetztem Denken sowohl linear als auch mehrdimensional reflektiert werden können...für eine #NeueÄsthetischeDimension.


Ästhetische Beratung BIld Beitrag

Die Beratung zum ästhetischen Mehrwert

Die Beratung zum ästhetischen Mehrwert von Organisationen – und hierin gibt es wohl kaum Unterschiede zu den „klassischen“ Themen und Rollen von Unternehmensberatungen – beginnt mit einer sorgfältigen Bestandsaufnahme des Ist-Zustands.

Qualitatives Wachstum und Nachhaltigkeit sind hierbei immer das Ziel – und mehr denn je untrennbar mit dem Thema Reputation verknüpft.

Wie wird Ihr Unternehmen wahrgenommen? Von Ihren Kunden und Mitarbeitenden, aber auch von Kooperationspartnern und im Wettbewerb? Und woran machen Sie Ihre Annahmen fest? Was ist die Identität Ihres Unternehmens? Und worin drückt sie sich aus?

 

Zu Beginn stehen Recherchen, Gespräche, Fragen und die Erfassung von Zusammenhängen und Dynamiken.

Schon in dieser Beratungsphase findet eine ständige Evaluierung der vorhandenen Informationen statt, damit die anschließende Analyse auf einer soliden Basis erfolgen kann.

So weit – so gut.

 

Neben Zahlen oder Daten stehen von Anfang an vor allem Beobachtungen und Wahrnehmungen im Fokus, die zueinander in Beziehung gebracht werden. Entsteht dabei ein stimmiges Ordnungsgefühl oder finden sich Dissonanzen? Denn Wirtschaft ist ein durch und durch emotionales System – von Menschen für Menschen gemacht.

Indem eine Organisation in ihrer Gesamtheit (inklusive ihrer Kultur) betrachtet wird, kann mittels Kreativität bisher Unverbundenes miteinander verbunden und können neue Muster geschaffen werden.

Wo liegen Wünsche und Bedarfe des Kunden? Bis sich ein Ordnungssystem für ein Gesamtkonzept in seinen Ansätzen abbildet und auch: bis die Auftraggeber ihre eigene Rolle voll ausfüllen und wahrnehmen können, braucht es Geduld, Zeit, Disziplin und vernetztes Denken. Es handelt sich insgesamt um ein hochemotionales Thema, das nicht in ausgedruckten Zahlen und Daten ausgelagert werden kann. Und nur mit dem distanzierten Blick von außen lässt sich ein stimmiges Erscheinungsbild erarbeiten.

 

„Für mich liegt alles in der Konzeption. Man muss also von Anfang an eine klare Vorstellung vom Ganzen haben.“ (Henri Matisse, Notizen eines Malers, 1908)

 

In der Vorstellung entsteht ein komplexes, geistiges Bild von Strukturen und Zusammenhängen, Optionen und Handlungsspielräumen, das sich durch kumulierende Informationen immer deutlicher und schärfer abzeichnet.

Es kristallisieren sich Veränderungen heraus, die innerhalb der Organisation gestaltet werden müssen.

An dieser Stelle kommen mögliche Kooperationen mit anderen Beratern und deren Expertise ins Spiel. Denn bisweilen sind Veränderungen in ganz anderen Bereichen und Ebenen eines Unternehmens zuvor zu realisieren, damit ein als stimmig empfundenes Erscheinungsbild, eine nach innen und außen hin attraktiv wirkende Ästhetik entstehen kann.

Die notwendige Vorstellungskraft müssen die Auftraggeber nicht selbst besitzen oder entwickeln, denn hierfür holen sie sich den externen Sachverstand ins Haus.

Eine unternehmenseigene Ästhetik, die u.a. in der Corporate Identity (Selbstbild) und dem Corporate Image (Fremdbild) zum Ausdruck kommt, besteht aus einer Vielzahl an Aspekten, Facetten, Ebenen und Dimensionen – und hat damit unmittelbare Wirkung auf menschliches Handeln.

 

Doch damit nicht genug: Um das Beratungsziel und den Erfolg auf ein tragfähiges Fundament zu stellen, gilt es Strukturen und Prozesse, wie zum Beispiel die Kultur, die interne und externe Kommunikation, Hierarchien, Workflows etc. mit den Themen Leadership, Management und Zukunft zu verknüpfen.

In einem kreativen Prozess werden zudem persönliche Präferenzen (persönlicher Geschmack) eingeordnet und gewinnbringend integriert. Und ebenso: Wie gestaltet sich das Personalmanagement? Ist die Personalarbeit integraler Bestandteil oder führt sie ein Eigenleben?

All diese Dimensionen sind in ihrer Komplexität zu erfassen, zu vernetzen und mögliche Friktionen zu erkennen.

Wenn visuelle Reize die Gefühlsebene ansprechen, nicht neutral bleiben, als Orientierungshilfe in Bruchteilen von Sekunden verarbeitet werden und Bewertungen erzeugen, ergeben sich die folgenden Fragen:

  • Gibt es bestimmte Parameter oder Anhaltspunkte dafür, dass eine Vielzahl von Unternehmensauftritten sich sehr ähneln, in einer gleichförmigen Erscheinungsform sich häufig zum Verwechseln ähneln?
  • Ist es nicht auffällig, warum in Websites und Räumen die Grundfarbe Weiß vorherrscht? Gibt es hierfür bewusste Entscheidungen? Oder ist das so, weil das alle machen?
  • Sollen vieldeutige Assoziationen vermieden und ausgeschaltet werden und die Botschaft damit eindeutig erscheinen?

Die Welt ist nicht schwarz-weiß, auch nicht weiß plus eine Farbe – sei es blau, grün oder orange. Warum wird Weiß als sachlich verstanden? Bestehen zwischen der Außendarstellung und dem Erscheinungsbild der Räumlichkeiten Zusammenhänge? Gibt es gestaltete Übereinstimmungen oder haben die beiden Aspekte nichts miteinander zu tun? Wenn nicht: warum nicht?

 

Und: Warum wird ein Podcast mal eben zwischendurch mit der Teeküche im Hintergrund aufgenommen, ohne darauf zu achten, den inhaltlichen Anspruch auch visuell umzusetzen? Hier verfängt das Argument, dass es ja auf den Inhalt ankommt, nicht, denn dann wäre die Kamera überflüssig.

Warum wird auch der Kleidung und dem Hintergrund so wenig Aufmerksamkeit und Sorgfalt gewidmet? Welche Botschaft sendet das aus? Soll das Ambiente eine zusätzliche Orientierung bieten?

All das sind Fragen, die nicht leicht zu beantworten sind. Wer sie beantworten kann, hat einen Wettbewerbsvorteil im Markt. Für die Antworten braucht es einen qualifizierten, kreativen Sparringspartner.

Die Optimierung für ein stimmiges Erscheinungsbild ist mitunter weder aufwändig noch kostenintensiv. Es braucht nur die die Erkenntnis und den dezidierten Willen zum Handeln dazu.

Manifest Contor FranckCONTOR FRANCK –  Wir verstehen Zusammenhänge und schaffen klare Strukturen…für eine #NeueÄsthetischeDimension.

www.contorfranck.de


zwei Lampen vor weißem Hintergrund

Neue Leuchtkraft für das Geschäft

Wie kommt wieder Schwung in eine alteingesessene Lampenschirmmanufaktur?

Ausgangslage:

Der Kunde führt eine etablierte Lampenschirmmanufaktur in Berlin. In den 60er Jahren gegründet, haben sich die Eigentümer bis heute auf dem stark schrumpfenden Markt behaupten können. In 2017 übernahm die nächste Generation das Geschäft – und stand vor großen Herausforderungen:

  • Der Preisdruck der großen Möbelkaufhäuser und Online-Angebote hat in der Branche Spuren hinterlassen. Von ehemals um die 80 Lampenschirmhändlern und -herstellern in Berlin sind lediglich nur noch knapp acht verblieben.
  • Eine die das Handwerk wertschätzende Kundschaft bricht weg. Der alternden Stammkundschaft folgt keine jüngere Kundengruppe.
  • Hinzu kommt ein äußerst schwieriges, gesellschaftliches Umfeld, das in seltsam restriktivem Anspruch nur noch weiß, creme, beige oder grau kennt und zulässt, dessen eingeschränkte Ästhetik in Baumärkten und Möbelketten allenthalben billig zu haben ist.
  • Selbst das renommierte KaDeWe hat schon seit Jahren kein Angebot mehr an Lampenschirmen. Hingegen in Paris und London finden sich in den vergleichbar weltbekannten Kaufhäusern noch heute entsprechende Abteilungen mit einem beachtlichen Sortiment.

Vor diesem Hintergrund wurde ich beauftragt, eine gesamtheitliche Struktur für die dringend notwendige Neuausrichtung und Umgestaltung des Geschäfts zu entwickeln und begleitend umzusetzen.

asiatische Lampenschirme vor Bücherregal

Herausforderungen:

  • Das Ladengeschäft sowie die Schaufenster hatten sich seit Gründung nur unwesentlich verändert – inklusive veralteter Elektrik und Einbauten.
  • Die äußere Erscheinung des Ladens war für eine neue und jüngere Kundschaft alles andere als einladend.
  • Das handwerkliche Können, die stilistischen Fähigkeiten und die fachlichen Kompetenzen waren nicht sichtbar.
  • Die übernehmende Generation betrieb das Geschäft größtenteils alleine. Fachkräfte oder anzulernende Mitarbeitende waren nur sehr schwer zu finden.
  • Wegen fehlender Kapazitäten konnte die vorhandene Auftragslage nur unter Mühen abgearbeitet werden. Neue und größere Aufträge wurden schnell zu einem Problem.
  • Die finanzielle Lage war unübersichtlich und damit eine definierte Budgetierung nicht möglich.
  • Die Bekanntheit des Angebots lag im einstelligen prozentualen Bereich und das in einer stetig wachsenden europäischen Metropole, mit vollen Auftragsbüchern sämtlicher Gewerke und eines boomenden Wohnungsbaus im Luxussegment.

einzelner Lampenschirm

Herangehensweise:

Wir setzten uns zusammen und stellten eine Priorisierung der nächsten Schritte auf. Dabei entwickelten wir zwei Handlungsräume: Einerseits das laufende operative Geschäft und die Kennzahlen. Andererseits die Neuausrichtung mit Fokus auf neue und jüngere Kundschaft.

Ein Spagat für das Ziel eines stimmigen Erscheinungsbildes und dem daraus resultierenden wirtschaftlichen Erfolg.

Wir starteten mit dem ersten Handlungsraum: Dabei klärten wir zunächst die finanzielle Lage des Unternehmens und identifizierten die wichtigsten Hebel zur Sicherung des laufenden Geschäfts. Dabei wurde mehr als deutlich, dass nur eine Neuausrichtung dem Betrieb wieder Aufschwung geben konnte. Handeln auf mehreren Ebenen war dringend notwendig.

Um pekuniär, physisch und psychisch nicht zu überfordern und je nach Verlauf agieren zu können, konnte die Neuausrichtung nur mit einem modularen Konzept und einer schrittweisen Umsetzung gelingen, wobei die wichtigsten Prämissen waren:

  • Entwicklung einer mehrdimensionalen, kohärenten Konzeption
  • Festlegung von Meilensteinen
  • Flexibilität in und zwischen den unterschiedlichen Dimensionen

Jeder Schritt sollte stärken und treiben und erst gegangen werden, wenn die Basis tragfähig gestaltet war.

zwei Lampen vor weißem Hintergrund

Das neue, anvisierte Portfolio beinhaltete 4 Kategorien:

  1. Verkauf

von zugekauften Lampenschirmen und Leuchten

  1. Restauration / Reparatur
  2. Prêt-à-Porter

Lampenschirme entsprechend einer Katalogauswahl und Beratung

  1. Haute Couture

Lampenschirme und Leuchten nach eigenen Entwürfen und Kooperationen mit Interior Designern.

Das Geschäft als Galerie

Die Konzeption für die Neuausrichtung bestand aus einer Standortanalyse inklusive des aktuellen Außenauftritts und der Erfassung der Parameter, Zusammenhänge und Wechselwirkungen.

Wir entwickelten ein ästhetisches Leitbild, nach dem die Manufaktur von nun an handeln und auch die Neugestaltung der Ladeneinrichtung und Schaufenster erfolgen sollte. Angefangen bei den Farben der Corporate Identity, die sich u.a. auf der Visitenkarte, der Website, den Rechnungen, einer Markise wiederfinden und im Laden und den Schaufenstern entsprechend der Umgebung und der Lichtverhältnisse in Wandfarben übersetzt werden sollten.

Als eines der Stilvorbilder diente uns das Berliner Hutgeschäft Fiona Bennet. Einerseits, weil Lampenschirme wie Kopfbedeckungen von Lampen sind. Andererseits, weil die Innenausstattung von Fiona Bennet einer Galerie ähnlich ist – alles ist in Weiß gehalten – und ein Ort, an dem man die Entwürfe bestaunen kann, einen Einblick in das elaborierte Handwerk erhält und die Wertschätzung für die Produkte und Services nonverbal transportiert wird.

Das neu gestaltete Ladengeschäft sollte alle Aspekte zu einer stimmigen Einheit verknüpfen, mit dem Ziel der Inszenierung und Präsentation der Produkte und Services in einem aktiven Arbeitsumfeld im Zusammenhang mit behaglichen, stilvollen und nicht abweisend wirkenden Interieurs. Um dies zu erreichen konnte das Farbkonzept nur abseits von Weiß erarbeitet werden.

Stand heute:

Wir fixierten wichtige Meilensteine für die Transformation des Geschäfts – in kontinuierlichem Abgleich mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Momentan arbeiten wir am neuen Web-Auftritt und der Umsetzung für den Innenbereich der Manufaktur. Hier sollen auch Wände fallen, um den Einblick in das Atelier mit seiner Werkstatt, seinen Stoffen und seiner Fertigung zu gewähren.

Die Inhaber bauen Akquisen und Kooperationen auf, die in allen stilistischen und kreativen Bereichen versiert sind: vom zeitgenössischen Design, über Midcentury bis hin zu Antiquitäten –  immer breit aufgestellt und offen für Individualität.

Fotos: harryclarkinterior und Ludger Paffrath

Lampenschirm leuchtend


Bild-Beitrag-BDU-ästhetische-Dimension

Mit einem ästhetischen Konzept in eine Neue Ästhetische Dimension

 

Mein Beitrag im Fachthemenportal des BDU im Themenfeld „Strategie und Innovation“:

Jedes Unternehmen wächst mit einem ästhetischen Konzept in eine #NeueÄsthetischeDimension

Die Erarbeitung eines ästhetischen Konzepts ist eine strategisch wichtige Entscheidung, um sich als Unternehmen für den Wettbewerb und die Stellung am Markt zu rüsten.

Neben der Entwicklung eines Corporate Designs und der Corporate Identity, öffnet sich damit eine mehrdimensionale Sicht: auf die unternehmensspezifischen Strukturen, wie auch auf die Kommunikation nach außen wie nach innen.

Ästhetik formt einen Rahmen um ökonomische Kategorien im Hinblick auf die emotionale Rendite und ist Teil der strategischen Zukunftsgestaltung.

Je früher und absichtsvoller die ästhetische Konzeption in die Wertschöpfungskette eingebunden wird, desto nachhaltiger ist ihre Wirkung.

Als sinnliche Wahrnehmung ist Ästhetik der visuelle Ausdruck erschlossener Komplexität und verbindet Menschen und ihre Motive, Lösungen und Probleme, Geschichte und Gegenwart. Die Beschäftigung mit Ästhetik schafft kreative Freiräume, eröffnet neue Handlungsmöglichkeiten, fördert vernetztes Denken und erhöht auf diese Weise die unternehmerische Qualität.

Sind sowohl die unternehmensinternen Strukturen, als auch die Positionierung und die Ziele geordnet und definiert, die Wechselwirkungen herausgearbeitet, kann eine positiv wahrnehmbare Ästhetik gestaltet werden. Dies erfordert im Besonderen die Kompetenz zu differenzieren und mit Ambivalenzen konstruktiv umzugehen.

Die Kreation eines ästhetischen Konzepts beginnt mit einem Prozess der Abstraktion. Die Grundlage hierfür ist eine Analyse konkreter Sachverhalte. Hervorgebracht wird schließlich – und da schließt sich der Kreis – eine konkrete ästhetische Form bzw. Leitlinie, mit Ordnung und Struktur, für die nonverbale Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitern.

Zudem trägt ein überzeugendes ästhetisches Gesamtkonzept dazu bei, dass Mitarbeitende bei der Differenzierung des Unternehmens im besten Sinne mitwirken  – mit direkten ökonomischen Auswirkungen – und Kunden ein Unternehmen bevorzugen, das attraktivere Assoziationen transportiert – mit direkten ökonomischen Auswirkungen.

Ästhetik gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht das Unsichtbare erfassbar.

(Nach Paul Klee)

Sie verleiht einer komplexen Idee und Organisation Identität und Ausdruck und schafft Orientierung. Komplexe Zusammenhänge und Haltungen werden in einem kreativen Prozess konkret und abstrakt intuitiv erfassbar, Werte und Kultur sichtbar.

Eine #NeueÄsthetischeDimension ist essentiell für ein geschärftes Unternehmensprofil und erhöht die die Leuchtkraft.

 

Lesen Sie den vollständigen Beitrag im Fachthemenportal des Bundesverbands deutscher Unternehmensberater e.V.

 


5jCG-Controlling Bild Beitrag ästhetische Dimension im Unternehmen

Die Zukunft liegt nicht im Controlling- die ästhetische Dimension in der Unternehmensstrategie

Warum Controlling-Zahlen für die Zukunft nicht ausreichen

Von Matthias Franck

Ein immer noch viel zu großes Missverständnis in deutschen Unternehmen: Was nicht zu berechnen ist, hat keinen Wert. Dabei waren die Wirtschaft und die einzelnen Unternehmen noch nie nur rational. Allerdings sitzen Deutschlands Verantwortliche immer noch lieber in ihren Controlling Cockpits und steuern darin der Entmenschlichung der Arbeit entgegen. Das geht auch anders.

Das Realitätsdilemma

Was ist Realität? Sie ist die Summe der individuellen Wahrnehmungen. Im Controlling kommt es allerdings oftmals vor, dass Zahlen die Realität abbilden sollen. Das Dilemma daran: Zahlen bilden nicht den objektiven Organisationsablauf ab. Objektive Organisationen existieren nicht. Sie charakterisieren sich vielmehr aus der individuellen Wahrnehmung der Beteiligten: Management, Mitarbeiter, Kunden, Zulieferer, Vertriebspartner, etc. Wenn der Glaube an Zahlen größer ist, als der Realitätssinn, haben Unternehmen ein Problem. Das bedeutet nicht, Zahlen zu trivialisieren. Allerdings sollten Verantwortliche sich der wachsenden Komplexität der Wirtschaftswelt annehmen – und auch andere, immaterielle Parameter in die Wertschöpfung einbeziehen.

Die Wirtschaft von heute

Die rationale Leistungsgesellschaft setzte lange Zeit auf das Prinzip „höher, schneller weiter“. Wachstum um jeden Preis und Shareholder Value standen im Mittelpunkt vieler Unternehmensstrategien. In einer zunehmend komplexen Welt mit neuen Problemen passen solche Strategieansätze allerdings nicht mehr in die Zeit. In unserer Gesellschaft findet eine Werteverschiebung statt: Nachhaltiges Denken und Handeln gewinnt an Wichtigkeit. Folglich steigen die Ansprüche an Arbeit, an Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse, die aufgrund der globalen und sozialen Vernetzungen immer intensiver eingefordert werden – genauso, wie echte und faire Möglichkeiten für den Sinn des Einzelnen und die individuelle Lebensgestaltung.

Arbeit muss heute eine Bedeutung (Purpose) haben, die die unternehmerischen mit den persönlichen Motiven fusioniert oder weitestgehend in Einklang bringt. Auch hier spielt die individuelle Wahrnehmung wieder eine entscheidende Rolle: Ist meine Arbeit sinnstiftend, bin ich motiviert und identifiziere mich mit ihr. Das Selbstverständnis und die Haltung eines Unternehmens sind somit immaterielle Werte, die vom Controlling zwar nicht erfasst werden können, in Zukunft aber zunehmend den Unterschied in der Wettbewerbsfähigkeit ausmachen. Um die Unternehmenshaltung auf die Mitarbeiter zu übertragen, sollten Verantwortliche eine ästhetische Dimension in ihre Strategie einbinden.

Die ästhetische Dimension

Mit Ästhetik ist die Sinnesempfindung gemeint. Also die Art, wie interne und externe Akteure einer Organisation das Unternehmen wahrnehmen. Das beginnt mit der Architektur und Büroeinrichtung des Firmengebäudes, zieht sich über die Corporate Identity und das Corporate Design hinweg und mündet im Auftreten des Managements, der Mitarbeiter sowie im Selbstverständnis der Kunden. Oder frei nach Paul Klee: Ästhetik gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht das Unsichtbare fassbar. Unternehmen, die ihre Wertschöpfung um die ästhetische Dimension ergänzen, schaffen emotionale Atmosphären und Gestaltungsräume. Das fördert die Kreativität der Mitarbeiter – und Kreativität wird in allen Bereichen der Wirtschaft eine immer wertvollere Ressource.

Allerdings lässt sich oftmals beobachten, wie Mitarbeiter durch Bonuszahlungen, internen Wettbewerb oder Zeitdruck zur Produktivität gezwungen werden. Darunter leidet dann die Kreativität und letztlich auch die Ergebnisse. Gelingt es Unternehmen stattdessen, mit ihrem gesamten Erscheinungsbild eine Haltung, ja einen Lebensstil zu kommunizieren, färbt sich das auch auf das Selbstverständnis der Mitarbeiter ab. Sie spüren, Teil von etwas Besonderem zu sein, sehen Sinn in ihrer Arbeit und identifizieren sich mit dem Unternehmen. Und wer sich emotional an sein Unternehmen gebunden fühlt, bleibt in der Regel auch dort, wie der Gallup Engagement Index 2018 darstellt – für das Controlling nicht irrelevant.

Zur Marke werden

Anders ausgedrückt: Wenn Verantwortliche die ästhetische Dimension in die Unternehmensstrategie einbinden, transformieren sie das Unternehmen zu einer mehrdimensionalen Marke. Dafür sollte das Management natürlich eine klare Vorstellung vom inneren und äußeren Erscheinungsbild des Unternehmens haben. Laut dem deutschen Markenmonitor mangelt es 76 Prozent der Unternehmen an einem klaren Profil. In 63 Prozent der Unternehmen kennen die Mitarbeiter die Markenpositionierung nicht genau. Auch das zeigt wieder, wie wenig Relevanz diesem Thema eingeräumt wird.

Ein hoher Markenwert ist ein Profitabilitätsmotor. Auch wenn Controller den Wert der Ästhetik eines Unternehmens nicht in Zahlen messen können – er wird erkennbar, sobald das Management Strategie und Wertschöpfung um die ästhetische Ebene erweitert. Neben kreativeren Mitarbeitern macht sich das vor allem auch in den Kaufentscheidungen der Kunden bemerkbar. Unternehmen mit einem ganzheitlichen ästhetischen Erscheinungsbild kommunizieren eine Haltung. Überall. Ob bei der Produktverpackung, der Ladenatmosphäre oder dem Design der Rechnung. Das Erscheinungsbild löst bei Kunden bestimmte Emotionen aus. Sind diese Emotionen positiv, sind sie der Ursprung einer Kaufentscheidung.

Wem gehört die Zukunft?

Natürlich müssen in Unternehmen die Liquidität und Schuldendeckungsfähigkeit gesichert werden, um überhaupt Handlungsfähig zu sein. Zahlen helfen dem Management, auf Kurs zu bleiben. Sich alleine auf Sie zu verlassen, reicht in Zukunft nicht mehr aus. In Zukunft gewinnen diejenigen Unternehmen, die sich authentisch inszenieren. Jeder, der im Unternehmen für Zahlen und die Wertentwicklung zuständig ist, sollte sich im Klaren darüber sein: Eine ganzheitlich in die Unternehmensstrategie eingebundene Ästhetik schafft ökonomischen Mehrwert. Strategien, die eine ästhetische Dimension einbeziehen, entsprechen nicht nur dem Unternehmen – sie sind auch sichtbar, spürbar und erlebbar, also allseitig wahrnehmbar.

 

Lesen Sie den kompletten Fachartikel bei consulting.de, dem Portal für Unternehmensberatung.